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Rumänien hat die Karpaten, die letzten Urwälder Europas und wilde Bären – und damit beste Voraussetzungen, zum Mountainbike-Eldorado unseres Kontinents zu werden. Das sieht auch Andrea Gaspar-Klein so, die in ihrem Geburtsland einen nachhaltigen Mountainbike-Tourismus etablieren will. Und erkannt hat: ohne die Locals geht es nicht.

Andrea hebt das Glas mit der klaren Flüssigkeit in die Höhe: „Norok“ – Prost – und die Männer um sie herum tun es ihr gleich. Im Gehege hinter der kleinen Runde suhlen sich dicke Hängebauchschweine im Dreck. Ein Hahn stolziert laut krähend über den Zaun. Eine alte Frau tritt, auf einen Stock gestützt, aus dem kleinen windschiefen Haus hervor, die Haare mit einem Kopftuch bedeckt, ihr Alter unmöglich einzuschätzen. Sechzig? Achtzig? Hundert? Ihr zahnloser Mund gibt Rätsel auf. Hinter dem Viehstall beackern mehrere Menschen den steilen Hang, lockern in gebeugter Haltung mit einfachen Werkzeugen die Erde auf. Währenddessen werden die Gläser im Hof zum dritten Mal befüllt. Es es gibt viel zu bereden. Andrea hat die Haare zu einem losen Pferdeschwanz gebunden, die Ärmel ihres Karohemdes hochgekrempelt, die Hose steckt in schlammigen Gummistiefeln. Sie prostet erneut an, gestikuliert, redet. Was nach einem Trinkgelage aussieht, ist in Wirklichkeit harte Überzeugungsarbeit. Man muss kein Rumänisch sprechen um zu verstehen, dass es um Mountainbikes geht, jene kuriosen Fahrrädern, die wir Touristen unter großen Mühen durch knöcheltiefen Schlamm bis hierher geschleppt haben. Hier lehnen sie nun, an den unverputzten Wänden des letzten Hofs vor der Alm, die wir als unser Camp für die kommenden sechs Tage ansteuern, und werden von unseren Gastgebern neugierig beäugt.

Erschienen in: World of MTB 08/2016

Project Details:

Riding Skills:

MTB

Categories:

Journalism

Production Date

28. Mai 2016